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Das ehemalige Braunschweiger Zentrum für Gender Studies wird zum Netzwerk für Gender und Diversity Studies

23.01.2020

Welche Chancen bietet Diversität Organisationen und Unternehmen? Und wie können Schule und Unterricht geschlechtergerecht und diskriminierungsarm gestaltet werden?

Das sind einige typische Fragen der Geschlechterforschung beziehungsweise Gender Studies. Sie bieten die Möglichkeit, Vielfalt zu erforschen, ein Bewusstsein für Stereotype und Diskriminierungen in der Gesellschaft zu schaffen und Anstoß für Innovationen in Wissenschaft und Gesellschaft zu geben. Seit 2003 arbeiten die Technische Universität Braunschweig, die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig in diesem interdisziplinären Forschungsfeld eng zusammen und betreiben eine gemeinsame Kooperationseinrichtung.

Das ehemalige Braunschweiger Zentrum für Gender Studies wird nun zu einem Netzwerk für Gender und Diversity Studies mit einer Koordinierungsstelle weiterentwickelt. Das Netzwerk ist eine Serviceeinrichtung für die Fächer und Fakultäten. Es stellt interdisziplinär und hochschulübergreifend Strukturen zur Förderung von Gender und Diversity Studies in der Lehre bereit. Zudem vernetzt es die einschlägigen laufenden Forschungsaktivitäten. Für zunächst fünf Jahre finanzieren die Hochschulen die Koordinierungsstelle. Ihre Aufgabe ist die Unterstützung von Lehre, Forschung und Transfer in den Gender und Diversity Studies sowie eine Stärkung der Lehre in diesem Feld, insbesondere in der Lehramtsausbildung und in ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Ziel ist es, die Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern zu erhöhen.
 

Neue Projekte in der Lehre

Quer durch alle Fakultäten sind die Gender und Diversity Studies Thema in Forschung und Lehre. Eine wichtige Aufgabe des Netzwerks ist die Initiierung von Projekten in der Lehre.

Vanessa Ohlraun, Präsidentin der HBK Braunschweig, erklärt die hochschulpolitischen Hintergründe: „Das Land Niedersachsen schließt mit den Hochschulen Zielvereinbarungen ab. Dabei spielen Geschlechtergerechtigkeit und Diversität eine wichtige Rolle“, sagt sie. Das Netzwerk sei ein wichtiger Baustein, um gemeinsam Maßnahmen umzusetzen und die entsprechenden Ziele zu erreichen.

Auch in der Forschung gibt es in so gut wie allen Bereichen und an allen drei Hochschulen relevante Themen. Die Pharmaziegeschichte zum Beispiel setzt sich unter Leitung von Professorin Bettina Wahrig mit der Geschichte der Geburtshilfe auseinander. Die Anglistik untersucht Frauenbilder in Shakespeares Werken, und im Maschinenbau geht es um die erfolgreiche Arbeit in gemischtgeschlechtlichen Teams im Vergleich mit anderen. Ein Transferprojekt an der Ostfalia hat zum Ziel, Frauen für E-Mobilität zu begeistern. Ein Einsatzfeld des Netzwerks ist es, die Vielzahl der Einzelprojekte sinnvoll zu vernetzen. So brachte das Projekt „Hochschule lehrt Vielfalt“ unter anderem die Kunstausbildung an der HBK mit dem Fach Soziale Arbeit an der Ostfalia und dem Lehramt der TU Braunschweig zusammen. Es entstand ein Pool von Unterrichtsbausteinen, die helfen, Vielfalt im Schulunterricht zu thematisieren und Diskriminierung vorzubeugen.

Mehr Studentinnen in den MINT-Fächern

„Wenn wir zu einem annähernd ausgewogenen Verhältnis bei den Führungskräften, zum Beispiel bei den Professor*innen in den MINT-Fächern kommen wollen, ist es Grundvoraussetzung, dass wir junge Frauen für ein Studium gewinnen können“, sagt Professorin Anke Kaysser-Pyzalla, die Präsidentin der TU Braunschweig. Und Professorin Rosemarie Karger ergänzt: „Wir wollen Frauen vom Studium an auch in der Gremienarbeit stärken, damit sie in die Stellen mit besonderer Verantwortung hineinwachsen können.“

Das Netzwerk soll insbesondere die Lehre durch die Entwicklung neuer Angebote stärken. „Damit antworten wir unter anderem auf zunehmende Nachfragen von Studierenden“, erklärt Juliette Wedl, die Koordinatorin des Netzwerks. Dass die Studierenden immer diverser würden, wirke sich auch auf das Lehrangebot aus. So sei zum Beispiel für Lehramtsstudierende die Diversität bezüglich Gender, Herkunft und Einschränkungen im Schulalltag ein wichtiges Thema.

„Gender-Studies sind kein Selbstzweck“

Ulrike Wrobel ist Gleichstellungsbeauftragte und Leiterin der Stabsstelle Chancengleichheit der TU Braunschweig. Hier wird die Koordinierungsstelle des Netzwerks in Zukunft organisatorisch eingebunden sein. „Das Interesse der jungen Frauen an MINT-Fächern ist da“, erklärt sie. Bisher werde aber noch zu wenig getan, um dieses auch auf die interessanten Studiengänge und Berufsperspektiven zu lenken. „Manchmal hilft es sogar, einen Studiengang umzubenennen und entsprechend die Perspektiven zu verändern, um die Anteile weiblicher und diverser Student*innen zu erhöhen.“ Gender Studies wirken dann am besten, wenn sie im direkten Interesse und Kontext von Forschung und Lehre liegen.

„Gender-Studies sind kein Selbstzweck“, erklärt die TU Braunschweig-Präsidentin Anke Kaysser-Pyzalla. „Uns ist es sehr wichtig, offen zu sein für alle gesellschaftlichen Gruppen, mit oder ohne Einschränkungen, jeden Geschlechts, und jeder Herkunft.“ Strategisches Ziel sei es daher, Barrieren zu erkennen und zu überwinden, die den Zugang zur Hochschule erschweren.

Für zunächst fünf Jahre finanzieren die drei Hochschulen die Gender und Diversity Studies nun aus den eigenen Mitteln. „Es ist ein stabiles Netzwerk“, betont Ostfalia-Präsidentin Rosemarie Karger. „Wir haben uns auch als Hochschulleiterinnen gemeinsam persönlich hier engagiert, denn das Thema hat eine hohe Priorität.“

Text: TU Braunschweig

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