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HBK Braunschweig zeigt aktuelle Ergebnisse künstlerischer Forschung ihrer Stipendienprogramme in einer Doppelausstellung

Mit gleich zwei Abschlussausstellungen startet die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) ins Wintersemester und zeigt die Ergebnisse der Stipendienprogramme zur künstlerischen Nachwuchsförderung des Landes Niedersachsen an der HBK Braunschweig.

In der Hochschulgalerie entwerfen die drei Stipendiatinnen des Dorothea-Erxleben-Programms durch skulpturale wie fotografische Interventionen ein neues Raumkonzept.
Die acht Stipendiat*innen des internationalen Braunschweig-Projects-Programms setzen sich in der Montagehalle mit Aspekten steigender Diskriminierung, sozialer Ungleichheit und Klimafragen auseinander.

Gemeinsame Eröffnung:
Dienstag, 22.10.19, 19 Uhr in der Galerie und 20 Uhr in der Montagehalle
Es sprechen: Prof. Dr. Dorothea Hilliger, Präsidentin der HBK (m.d.W.d.G.b.), Veronika Olbrich, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur und Nele Kaczmarek, Kunstverein Braunschweig.

Für ein Pressegespräch stehen die Künstlerinnen nach Terminvereinbarung zur Verfügung. Bitte melden Sie sich hierfür bei der Pressestelle der HBK Braunschweig.

Ausstellungsdauer:  23.10. bis 14.11.2019
Orte:  Montagehalle (Broitzemer Str. 221), HBK-Galerie (Johannes-Selenka-Platz 1), 38118 Braunschweig
Öffnungszeiten: Mo bis Fr 13 - 18 Uhr, am 31.10. geschlossen

 

Dorothea-Erxleben-Programm 2017-2019

Unter dem sachlichen Titel der „Abschlussausstellung“ haben die drei Stipendiatinnen des aktuellen Jahrgangs, Maria Anwander, Natalie Czech und Frauke Dannert, die Ergebnisse ihrer Stipendienzeit zu einer Gruppenshow vereint. Die Ausstellung spiegelt die unterschiedlichen Arbeitsweisen und Ansätze der drei Künstlerinnen wieder, die sich unter Einbeziehung spezifischer skulpturaler wie fotografischer Fragestellungen zu einem neuen Raumkonzept zusammensetzen.
Die Ausstellung wird im Rahmen des Dorothea-Erxleben-Programms vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur finanziell unterstützt. Im Sinne der künstlerischen Nachwuchsförderung des Landes Niedersachsen und der Chancengleichheit von Frauen an künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschulen erhalten drei Stipendiatinnen eine Förderung für einen Zeitraum von zwei Jahren. Ziel des Stipendiums ist die Qualifizierung von Künstlerinnen für eine Professur. Die Niedersächsische Landesregierung misst der Politik zur Herstellung von Chancengleichheit für Frauen an Hochschulen hohe Priorität zu und hat daher die Fortsetzung der Förderung bis 2021 beschlossen.

 

Braunschweig Projects 2018 - 2019: Every hundred feet the world changes

Die Ausstellung Every hundred feet the world changes der diesjährigen Braunschweig PROJECTS Stipendiat*innen vereint neue künstlerische Arbeiten, die vorwiegend während der Residenzen entstanden sind. Das Stipendium und die Ausstellung werden vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert.

Every hundred feet the world changes zeigt künstlerische Positionen mit einer großen Bandbreite an Praktiken und Themen, einschließlich Installationen, Skulpturen, Fotografien, Videos und Soundarbeiten. Wiederholt lässt sich in den Werken ein besonderes Interesse an spezifisch lokalen Gegebenheiten, Formen und Materialien beobachten, die mit globalen Zusammenhängen und Herausforderungen in Verbindung gebracht werden. Einer zunehmenden Kommerzialisierung, Diskriminierung, sozialer Ungleichheit und den Folgen des Klimawandels begegnen die Künstler*innen differenziert mit eigenen künstlerischen Strategien und Handschriften. Dabei treffen reale auf fantastische Aspekte und nüchterne Analysen des aktuellen Zeitgeists auf spekulative Mutmaßungen über eine „Zukunft, die auf uns zurollt“. Gefundene Objekte, Bilder und field recordings verbinden sich mit Textfragmenten, skulpturalen Formen und imaginierten Charakteren zu Narrativen im Raum.

Künstler*innen: Adam Basanta (Montreal), Rochu Chiu (Taiwan), Azin Feizabadi (Berlin), Kinda Hassan (Paris), Nidhi Khurana (New Delhi), Nadia Mounier (Alexandria), Liona R. Nyairi (New York City) und Jeremy Wiles-Young (New York City).

Kuratorin: Nele Kacmarek

 

 

Informationen zu den Künstler*innen

Die Stipendiatinnen des Dorothea-Erxleben-Programms:

Maria Anwander, geboren 1980, lebt und arbeitet in Berlin.
Wichtiger als eine durchgängige, nur einem Medium verpflichtete Formensprache ist Maria Anwander der konzeptuelle Ansatz, mit dem sie sich Themen wie der Geschlechterpolitik innerhalb des Kunstbetriebs, institutionalisierten Hierarchie- und Regelsystemen oder dem gesellschaftlichen und künstlerischen Regelbruch widmet. Auch Aneignung, Autorenschaft, geistiges Eigentum bzw. die Frage nach Original und Kopie spielen in ihrer Arbeit eine tragende Rolle.

Im Rahmen des Stipendiums hat sich Anwander mit der Bedeutung der klassischen Bildhauerei in Zeiten von Postinternet, Augmented Reality und der Reproduzierbarkeit durch 3D-Druckverfahren und CNC-Fräsen beschäftigt. Dabei sollte die eingehende Analyse der Skulptur bis hin zu deren Auflösung im Vordergrund stehen, um den Begriff der Bildhauerei bestenfalls neu zu definieren.
Die eigens für die Ausstellung entstandene Serie „not yet printed 3D objects N°1-9“ führt über den Weg der Dekonstruktion des Werkes an die verschwimmende Grenze zwischen Objekt und Imagination, indem sich das Objekt nur durch das Lesen eines Werkschildes vor dem geistigen Auge der Betrachter*innen zum Kunstwerk formiert.

Verschiedene Einzelausstellungen widmeten sich Maria Anwanders Arbeiten: Magazin 4, Bregenz (2019); Kunstverein Friedrichshafen (2018); Arratia Beer, Berlin (2016); Kunst Halle Stankt Gallen (2014); Steve Turner Contemporary, Los Angeles (2014); Project Room Aquarium, Casino Luxembourg (2012); AC Institute, New York (2012). Ihre Werke waren Teil von Gruppenausstellungen im Kunstmuseum St. Gallen (2018); Kunsthalle Darmstadt (2017); Kunsthalle Mainz (2015); Museum Morsbroich, Leverkusen (2015); Austrian Cultural Forum, Washington (2015); MMOMA, Moscow (2010) u.a.

Natalie Czech, geboren 1976, lebt und arbeitet in Berlin.
Die fotografischen Werke von Natalie Czech gleichen visuellen Gedichten. Mit einem von kritischer Reflektion geprägten Ansatz kombiniert die Künstlerin in ihrem Werk Bild, Bildgegenstand und Text und untersucht anhand dessen die Verflechtung verschiedener Darstellungsebenen.

Die Arbeit in der HBK-Galerie „Cigarette Ends“ bewegt sich eben in dieser Einbettung bzw. Konstruktion multipler Erzählungen. Mit Verweis auf Irving Penns Serie „Cigarettes“ aus den frühen 70er Jahren zeigt die Künstlerin Assemblagen von Zigarettenstummeln, die so ausgerichtet sind, dass ihre Markennamen ein visuelles Gedicht ergeben. Durch diese Gedichte und die persönlichen Assoziationen mit den jeweiligen Zigarettenmarken erzählt Czech mittels eines einfachen Objektes die Geschichte einer zufälligen Begegnung.
Ferner verleiht der Titel „Cigarette Ends“ dem dargestellten Zigarettenstummel eine Mehrdeutigkeit: Czech verweist auf den Untergang der Kultur des Rauchens, da ein überwiegender Teil der verwendeten historischen Zigarettenmarken nicht mehr produziert wird. Und so trägt jede Zigarette auch etwas Endendes in sich.

Natalie Czechs Arbeiten wurden in verschiedenen Einzelausstellungen gezeigt: KINDL - Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Berlin (2019); Heidelberger Kunstverein (2017); CRAC, Alsace (2016); Palais de Tokyo, Paris (2014) und Kunstverein Hamburg (2013); sowie in Gruppenausstellungen in Museum Morsbroich, Leverkusen (2019); Fotomuseum Winterthur (2019); Kunstverein Düsseldorf; Kunsthalle Wien; Zabludowicz Collection, London (2017); Kunsthalle Hamburg (2017); Hamburger Bahnhof, Berlin; MoMA, New York; Pinakothek der Moderne, München (2015) u.a.

Frauke Dannert, geboren 1979, lebt und arbeitet in Köln.
Die künstlerische Arbeit von Frauke Dannert schließt unterschiedliche Medien ein, die meist in ortsbezogenen Installationen zueinander in Beziehung gesetzt werden und unterschiedliche Wahrnehmungsmöglichkeiten des Betrachters erfahrbar werden lassen. Collagen, fotografische Arbeiten, Projektionen, Wandmalerei und Bodenarbeiten stehen hierbei in abstrahierender Weise im inhaltlichen und formalen Zusammenhang.

Wurden in den frühen Arbeiten häufig Architekturfragmente in Collagen sowie später in eigene Bild- und Raumkompositionen überführt, beziehen sich aktuelle Arbeiten von Dannert häufig auf den Formenkanon von Pflanzen. Für die HBK-Galerie entwirft die Künstlerin eine ortspezifische Wandmalerei basierend auf dem Formenvokabular ihrer architektonischen und botanischen Recherche.

Frauke Dannerts Werke und Installationen waren in verschiedenen internationalen Institutionen zu sehen: Künstlerhaus Graz (2018); Museum Lehmbruck (2018); Silesian Museum in Kattowitz (2017); Sprengel Museum Hannover (2015); Gdańska Galeria Miejska, Gdańsk (2014); Pori Art Museum (2014); Marta Herford (2013). Das Kunstmuseum Bonn und das Osthaus Museum in Hagen widmeten ihr 2018 jeweils eine Einzelausstellung, 2016 das Museum Kunstpalast in Düsseldorf und das Kunstmuseum in Luzern.

 

Die Braunschweig Projects Stipendiat*innen:

Nadia Mounier, geb. 1988 in Kairo, lebt und arbeitet in Alexandria.
In ihrer künstlerischen Arbeit untersucht Nadia Mounier die bildliche Repräsentation der (arabischen) Frau in öffentlichen und vorgeblich privaten Kontexten. Mit einem besonderen Interesse an Formen der Selbstinszenierung- aber auch Zensur, wechselt Nadia Mounier beständig zwischen der Rolle der Bildkonsumentin und -produzentin. Die entstandenen Fotografien, Videoinstallationen und Textarbeiten, die sich aus gefundenem und selbst produzierten Material speisen, sind Teil des langjährigen Projekts Was That Really You. Selbst- und Fremdbild werden hier von dem Motiv der Mutterschaft gespiegelt.

Ro-Chu Chiu, geb. 1980 in Taiwan, lebt und arbeitet in Taiwan.
Ro-Chu Chius künstlerische Praxis umfasst Malereien, Performances, Videos und Installationen. Wiederkehrend beschäftigt sie die Frage, wie sich (politische) Symbole ausbilden und sich ihre Konnotation ort- und zeitabhängig wandelt. Die gezeigte Installation The Relationship  ist eine sukzessiv gewachsene Assemblage aus Dosen, Lebensmittelresten und Verpackungen. Diese Spuren des Konsums verbinden sich zu einer Bodenarbeit, der eine malerische Collage gegenübergestellt ist. Zeitungsausschnitte, Gelbwesten und Personen gruppieren sich hier zu einem subjektiven Newsboard, wobei die Gleichzeitigkeit alltäglicher Handlungen und globalpolitischer Entwicklungen angedeutet wird.

Azin Feizabadi, geb. 1982 in Teheran, lebt und arbeitet in Berlin.
Als Filmemacher und Künstler hinterfragt Azin Feizabadi gesellschaftspolitische Strukturen und einseitige Geschichtsschreibungen aber auch stereotype Länder- und Kulturkonventionen. In der Ausstellung verweist ein Trailer auf zwei Filmreadings, die Azin Feizabadi episodenhaft um das geplante Filmprojekt SCHATTENLOS kreisen lässt. Recherchematerial, Moodboards und kollaborativ entwickelte Zeichnungen werden hier von Textauszügen eines Treatments begleitet. Im Fokus stehen die entwickelten Charaktere: Paul, Sam und der Mann im grauen Anzug, die sich zu einem märchenhaften Roadmovie mit stilistischen Verweisen zum expressionistischen Film der 1920er Jahre zusammenfinden. SCHATTENLOS ist eine Adaption der Novelle Peter Schlemihls wundersame Geschichte von Adelbert von Chamisso aus dem Jahr 1813.

Nidhi Khurana, geb. 1980 in Indien, lebt und arbeitet in New Delhi.
Nidhi Khurana interessiert das symbolische, metaphorische und grafische Potential von Landkarten, in denen sich bestehende Machtgefüge visualisieren. In ihrer neuen Installation 100 metres entwickelt die Künstlerin das Prinzip der Kartierung experimentell weiter. Hierfür färbt und bedruckt (Eco-Printing) sie Habutai-Seide, wobei sie mit Walnüssen, Goldrutenblumen oder Blättern entsorgter Rosen ausschließlich auf Materialien aus der unmittelbaren Umgebung zurückgreift. Die entstandene Arbeit ist offen für Interaktionen und ändert so beständig ihre Form. Ergänzend wird eine neue Serie von Fotodrucken gezeigt, die auf die Recherche vor Ort verweist.

Liona R. Nyairi, geb. 1991 in Simbabwe, lebt und arbeitet in New York.
Ausgehend von historischen Recherchen und der Beschäftigung mit postkolonialen Thematiken arbeitet Liona R. Nyairi an skulpturalen Werken, die sie mit ergänzenden Texten in übergeordnete Erzählungen einbettet. Im Rahmen der Ausstellung zeigt die Künstlerin eine kokonähnliche Struktur, deren zart tätowierte Haut das Forschungsinteresse von Pfimbi Yemashoko (der Ort, an dem die Worte aufbewahrt werden) – einem fiktiven Kollektiv von Anthropologen, Historikern, Archäologen und Linguisten – auf sich zieht. Das rätselhafte Wesen und eine darunter befindliche Bodenarbeit sind von Buchstaben eines erfundenen Alphabets überzogen, das sich zwischen Schrift und der Notation einer längst vergangenen Musik bewegen.

Fokus Klangkunst:

Adam Basanta, geb. 1985 in Tel-Aviv, Israel, lebt und arbeitet in Montreal.
Adam Basantas
Interesse gilt aktuellen Debatten um die wachsende Überproduktion billiger Güter, die in einem eklatanten Missverhältnis zur drohenden Klimakatastrophe steht. In der gezeigten Installation The Unknown Future Rolls Towards Us finden sich mit einem ausrangierten Autositz, Plattenspieler, Pflanzen oder elektronisch animierten Vögeln bildhauerische, klangliche und kinetische Elemente. Zugleich ist die Arbeit ein funktionierendes Ökosystem, das organische und synthetische Stoffe zu einem pumpenden Kreislauf verbindet. Eine post-humane Dystopie, in der die die Menschen überlebenden Abfälle von mutierten Pflanzen im Gleichklang existieren

Kinda Hassan, born in 1984 in Beirut, lives and works in Paris.
Kinda Hassan
arbeitet als Künstlerin multimedial. In früheren Klangstücken – Arrangements von Außen-und Archivaufnahmen und Sounddesigns – enthüllte sie unbewusste Machtstrukturen. Zuletzt wendete sich Kinda Hassan verstärkt dem menschlichen Körper und seiner Rolle als Produzent und Rezipient auditiver Ereignisse zu. In diesem Zusammenhang entwickelte sie während des Stipendiums eine mehrstimmige Komposition, in der sie die kultur- und sprachübergreifenden Ähnlichkeiten von Intonation und Timbre im stimmlichen Ausdruck untersucht. In einer weiteren, aus einem Instrument und einer Videoinstallation bestehenden Arbeit, rückt das Stimmband selbst in den Mittelpunkt.

Jeremy Wiles-Young, geb. 1987 in USA, lebt und arbeitet in New York.
Jeremy Wiles-Young experimentiert in seiner Arbeit mit alternativen Produktions-, Speicherungs- und Distributionsverfahren digitaler Sounds außerhalb kommerzieller Verwertungen. Das ausgestellte Projekt ist ein Ergebnis seiner Recherchen zur Geschichte von Klängen und Musikkulturen und ihrem Verhältnis zu Autoritäten. Vor dem Hintergrund der Vision Musik außerhalb existierender Machtstrukturen produzieren und teilen zu können, zeigt er eine auf Linux-Computern, Open-Source-Software und DIY-Fabrikaten basierende Arbeit, die sich in der Form eigens produzierter Lautsprecher und Textilien, die eine ‚soziale Zone’ markieren, konkretisiert.


Über das Künstlerförderprogramm Braunschweig PROJECTS


Das Stipendienprogramm Braunschweig PROJECTS ist Teil der Künstlerförderung des Landes Niedersachsen. Seit 2011 wird es an der HBK Braunschweig durchgeführt. Insgesamt acht internationale Künstler*innen aus der Klangkunst und der Bildenden Kunst werden jährlich durch die Stipendien unterstützt. Die Stipendien umfassen eine monatliche Förderung, einen projektabhängigen Zuschuss für Sach- und Reisekosten sowie Wohnung und Atelier in Braunschweig.
Den Stipendiat*innen stehen Professor*innen der HBK Braunschweig als Mentoren zur Seite. Das Programm ermöglicht über die Erarbeitung einer Ausstellung hinaus eine weiter reichende Vernetzung.

Zuletzt bearbeitet von Kommunikation und Medien, Brigitte Kosch