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Neue Video-Kunst über Braunschweigs Skyline


Young Hyun Jeon: Dream


Auf der Medienfassade an der Spitze des Business Center I im Braunschweiger BraWoPark laufen ab März 2020 neue Werke von Studierenden und Absolventen der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Eine Jury, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Volksbank BraWo, der Stadt Braunschweig und der HBK Braunschweig, hat hierfür in einem Wettbewerb neue Video-Kunst ausgewählt.

Die Clips werden abwechselnd jeweils dienstags und donnerstags von 5 bis 24 Uhr abgespielt.

Folgende Künstlerinnen und Künstler wurden ausgewählt:

Frederic Klamt mit "GENESIS"
Chaos wird zu Ordnung, Dunkel wird zu Hell, Energie(n) werden geboren, weitergeleitet und geformt: Wie lässt sich für Gott, also eine Kraft, die für uns Menschen unvorstellbar bleibt, hier eine Form finden? Die Striche | werden im Film zum Symbol einer Antwort.
Von abstrakten zu klaren Bildern reihen sich analoge Aufnahmen (16mm) experimenteller Art an Bilderdarstellungen aus der menschlichen Kulturgeschichte und gehen schließlich konkret in die Geburt, Leben, Bewegung verschiedener Erdbewohner (Insekten, Reptilien, Säugetiere) über.

Jan Gerngross mit "Alm über der Stadt"
Ein auf einer Schweizer Alp entstandenes Video wird über den Dächern von Braunschweig gezeigt und lässt einen kurzen Blick auf den Sehnsuchtsort Almidylle zu. In der zwischen Heterotopie und Dystopie schwebenden Szene werden Fragen nach der Wirkkraft von Bildern, Klischees, Authentizität und des menschlichen Scheiterns aufgeworfen.

Young Hyun Jeon mit "Dream"
Das Video, erstellt als 3D Animation, zeigt eine Traum-Serie, die sich um den menschlichen Körper dreht. Die Figuren haben seltsame und sureale menschliche Körperteile, die sich bewegen können: Käfer haben große Augen, die Flügel von Schmetterlingen sind Ohren, ein Gebäude hat einen Mund und ein Stuhl besteht aus einem Körper.

Jung Min Lee mit "Nach Oben Nach Unten"
Zwei Menschen werden durch einen intimen Körperkontakt lustig verbunden, der sich für immer wiederholt.

Lydia Hoske mit "RGB CMY"
Weiche ineinander übergehende nebelartige Formen. Farben, die das Bild verändern. Zu sehen ist das Aufeinandertreffen von den Grundfarben Rot, Grün und Blau und ihre jeweilige Komplementärfarbe Cyan, Magenta und Yellow. Faszination, Bewegung, Farbe, Kunst.

Reiko Yamaguch mit "Zeitvertreib"
Jeder Mensch kennt das Gefühl der Langeweile. Ob es erscheint, wenn jemand am Gleis steht und auf die Bahn wartet oder wenn Zuhause keine Hausarbeit mehr zu erledigen ist. Bei der Langeweile kommt ein Gefühl auf, diese Lücke, diesen Weißraum der Zeit mit antriebslosen Aktionen zu füllen, um eine Befriedigung zur Überbrückung bis zur erwarteten wahren Aktion zu haben. Die Videoarbeit "Zeitvertreib" vertritt diese Aktion und zeigt gleichzeitig die Sinnlosigkeit, dieser zu widerstehen.

Anita Marijana Bajic mit "spiel - spass - spannung"
Das Streben nach Glück und Gewinn ist was den Menschen am Glücksspiel fasziniert. Spielautomaten nahmen ihren Anfang mit dem „einarmigen Bandit“, diese hießen so, weil sie einen Hebel zur Bedienung hatten und dem Spieler wie ein Dieb das Geld aus der Tasche zogen. Essen, Drogen, Glücksspiel lösen ähnlich gute Gefühle im menschlichen Gehirn aus. Smartphones mit ihrem vielfältigen Angebot von Apps sind die einarmigen Banditen unserer moderne Gesellschaft. Mit der ständigen Verfügbarkeit von Glücksspiel trainieren Kinder und Jugendliche ihr Gehirn früh, immer weiter nach diesen Glücksgefühlen zu streben.

Stephan Chamier mit "Überwachte Realitäten"
Überwachung oder die Aufzeichnung eines Traumes? Das Warten auf die gereinigte Kleidung oder das Warten am Bahnhof und der Bushaltestelle in der Geduld, dass schon alles gut wird. Es wird schon jemand kommen und mich abholen. Dann beginnt der Traum aus dem Alltag heraus. Die Musik auf den Ohren oder das Rauschen der Straße, beginnen wir uns ein – „was wäre, wenn“ – vorzustellen. Was, wenn die Bahn nicht kommt, was wenn die Wäsche nicht sauber wird, was wenn es gerade einfach nichts zu tun gibt, ich mich einfach hingeben kann? Die Schaffnerin am Gleis fängt an zu Tanzen, jemand kommt in den Waschsalon und führt einen Tanz auf. Passend zu jedem Rhythmus, bewegt sie sich und gibt sich jedem Moment von neuem hin. Man darf beobachten und seine Fantasie spielen lassen, man darf sich vorstellen, nun selber zu Tanzen. Allein die Vorstellung ist belebend, wir müssen nicht komplett aus den Normen fallen, um uns frei und lebendig zu fühlen. Der bloße Gedanke belebt den Geist und wir dürfen die Realität und unsere Fantasie kombinieren. Es entsteht etwas Neues, eine neue Realität aus gegebenen Realität und der eigenen Vorstellung. So wie der Mann im Waschsalon, sich vielleicht alles nur vorstellt, ist es doch real und auf Video aufgezeichnet. Unsere Gedanken kreieren die Welt und unsere Freude am Erfinden, darf jeden Tag Einzug haben. Es ist erlaubt zu träumen, auch wenn den Traum noch niemand aufzeichnen kann, ist er dennoch da und darf zur Realität werden oder als Lebensfreude in den Fantasierenden fließen.

Zoyeon mit "The big girl"
Wie würde es sich anfühlen groß zu sein?
Große Leute haben ein besseres Leben. Sie müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie das Haus verlassen. Kaum jemand wagt es sich ihnen in den Weg zu stellen, sie zu bedrohen oder anzuschreien.
Deswegen habe ich mich dazu entschlossen eine “Big girl" zu werden.
In dem Video bewegt sich das Bild durch den Schatten. Der Schatten zeigt sich in verschiedenen Formen. Er ahmt typische Monster-Gesten nach. Wie das unbekannte Monster in dem alten Film „Nosferatu” oder wie in dem Höhlengleichnis von Platon. Der Schatten hat keinen Körper. Das Bild ohne Körper ist keine Bedrohung. Es ist nur ein Gespenst von etwas.

Gaston Gnefkow mit "Panik in ProRes"

Wettbewerb:

Der Wettbewerb richtete sich an alle Studierende der Freien Kunst sowie Absolventinnen und Absolventen, deren Abschluss nicht länger als fünf Jahre zurückliegt. Die zehn Prämierten konnten sich jeweils über ein Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro freuen, welches als Aufwandentschädigung und Nutzungsvergütung ausgezahlt wird.

Die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner und ihre Werktitel lauten:

Frederic Klamt (GENESIS), Jan Gerngross (Alm über der Stad), Young Hyun Jeon (Dream), Jung Min Lee (Nach Oben Nach Unten), Lydia Hoske (RGB CMY), Reiko Yamaguch (Zeitvertreib), Anita Marijana Bajic (spiel - spass - spannung), Stephan Chamier (Überwachte Realitäten), Zoyeon(The big girl) und Gaston Gnefkow (Panik in ProRes).

Die Jury:

Bewertet wurden die Videos von einer Jury, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Volksbank BraWo, der Stadt Braunschweig und der HBK Braunschweig zusammensetzt. In diesem Jahr waren das: Carsten Ueberschär (Leiter der Direktion Braunschweig), Fabien Tronnier (Volksbank BraWo, Public Relations), Nasan Tur (HBK Braunschweig, Freie Kunst), Karen Klauke (HBK Braunschweig, Leiterin Ausstellungen und Veranstaltungen), Rolf Pilarsky (HBK Braunschweig, Freie Kunst/ Digitale Medien) und Dr. Ulf Hilger (Kulturdezernat der Stadt Braunschweig).

Historie:

Wie in den vergangenen Jahren werden auch 2020 wieder interessante Videoarbeiten junger Talente auf den drei Bildschirmen auf dem Dach der „Toblerone" des Business Center I gezeigt. Die in einen Wettbewerb eingereichten Werke von Studierenden der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) wurden von einer Jury gesichtet und bewertet. Insgesamt kürte die Jury zehn Künstlerinnen und Künstler, deren Werke nun jeweils dienstags und donnerstags von 5 bis 24 Uhr auf den riesigen LED-Bildschirmen zu sehen sind.

Die Kooperation zwischen der Volksbank BraWo und der HBK Braunschweig besteht seit 2012. Im Jahr 2013 wurde die 150 Quadratmeter große Medienfassade aufgebaut. Seitdem können die Gewinner des Wettbewerbs ihr Werk dort jeweils ein Jahr lang präsentieren. Gezeigt werden Videoclips, die sich besonders für den öffentlichen Raum eignen und die darstellerischen Möglichkeiten der 350.000 vorhandenen Leuchtdioden ausschöpfen.

Zuletzt bearbeitet von Kommunikation und Medien, Brigitte Kosch