Interview: Bundeskanzler-Stipendium 2024/25 an Hanwen Zhang verliehen

Das Bundeskanzler-Stipendium fördert angehende Entscheidungsträger*innen, Multiplikator*innen und Impulsgeber*innen – branchenunabhängig und beinhaltet u.a. ein monatliches Stipendium von 2.200 Euro, 2.500 Euro oder 2.700 Euro – je nach Ausbildungs- und Karrierestand.
„Drei Fragen“ an Hanwen Zhang:
Sie sind einer von insgesamt 25 Bundeskanzler-Stipendiat*innen 2024/25 für Führungskräfte von morgen der Alexander von Humboldt Stiftung. Mit dem Stipendium werden Hochschulabsolvent*innen mit ersten Führungserfahrungen unterstützt, die aus der Volksrepublik China, Brasilien, Indien, Südafrika oder den USA für ein Jahr nach Deutschland kommen und ein eigenes Projekt realisieren, das der Karriereentwicklung dient, gesellschaftlich relevant ist sowie eine nachhaltige öffentliche Wirkung entfaltet. Können Sie uns beschreiben an welchem Projekt Sie arbeiten?
Ich arbeite an einem persönlichen, auf visuellen Studien basierenden künstlerischen Forschungsprojekt mit dem Titel „Von Wolfsburg nach Changchun, der Volkswagen der Volksrepublik“. Kurz gesagt, das Projekt beabsichtigt die jüngste Geschichte und die Feinheiten der Entwicklung der chinesischen Automobilindustrie seit den 1980er Jahren darzustellen, insbesondere in Zusammenarbeit mit deutschen Herstellern wie Volkswagen.

Mein Interesse wurde geweckt, als ich 2023/24 Braunschweig Projects - Stipendiat an der HBK Braunschweig war. Da Braunschweig nicht weit von Wolfsburg – dem Stammsitz des Volkswagen-Konzerns – entfernt ist, bin ich manchmal mit dem Zug nach Wolfsburg gefahren und habe einige überraschende und interessante Verbindungen zwischen dieser Stadt und mir entdeckt.
Erstens wurde ich in einer isolierten und abgelegenen Zementfabrikstadt im Nordosten Chinas geboren und hatte einige recht gute Erinnerungen an das Leben an einen solchen Ort. Meine früheren Arbeiten beschäftigen sich mit diesem Gefühl der postsozialistischen Nostalgie, und es ist zudem der Dreh- und Angelpunkte meiner langjährigen künstlerischen Praxis geworden. Seltsamerweise löste das Herumlaufen in Wolfsburg bei mir ähnliche Gefühle aus, ungeachtet der unterschiedlichen Kontexte.
Zweitens: Als Volkswagen in den 1970er Jahren in den chinesischen Markt eintrat, errichtete das Unternehmen zwei Fabriken in China, eine in Shanghai, die andere in Changchun, der ersten Autostadt Chinas, aus der auch ich stamme. Als ich aufwuchs, hatten die Autos von Volkswagen einen großen Einfluss auf die frühen chinesischen Automobilkulturen in den 1990er Jahren. Dabei hat mich die wörtliche Verbindung „Volk“ im Namen der Automarke sehr fasziniert aber vor allem auch das Interesse an den grundlegenden konzeptionellen Unterschieden zwischen den beiden Kulturen/ Systemen.
Teil der Förderung sind Netzwerkaktivitäten, bei denen Sie eigenaktiv in Peer Groups zusammenarbeiten und selbständig kleinere Netzwerkformate mit weiteren Stipendiat*innen organisieren. In welchen Peer Groups und Netzwerkformaten arbeiten Sie aktuell?
Ich habe an Workshops und Konferenzen teilgenommen, die von der Humboldt-Stiftung zusammen mit den anderen BUKA-Stipendiat*innen organisiert wurden. Viele Inspirationen habe ich von ihnen erhalten, da die Stipendiat*innen jeweils einzigartige Projekte mit bestimmten Schwerpunkten haben, die von ihrer eigenen kulturellen/ beruflichen Hintergrundsituation abhängen. Wie Sie bereits erwähnt haben, kommen die diesjährigen Stipendiaten aus den BRICS-Ländern und auch aus den USA, was sehr unterschiedliche Perspektiven und Stimmen in das Programm eingebracht haben.

Darüber hinaus sind meine Netzwerkverbindungen hauptsächlich im Bereich der Ostasienwissenschaften angesiedelt. Ich stehe in Kontakt mit den Fachbereichen Sinologie/ Ostasienwissenschaften der Universität Göttingen, der Freien Universität Berlin und der Universität Venedig. Jedoch ist die HBK Braunschweig natürlich immer noch die wichtigste Basis für mich. Als ehemaliger Braunschweig Projects - Stipendiat fühle ich mich wirklich dankbar und geehrt, dass ich Teil dieses besonderen Künstlerförderungsprogramms war.
Als Unterstützung erhalten Sie auch eine zweiwöchige Studienreise durch Deutschland sowie eine Reihe von Veranstaltungen, bei denen Sie Kontakte zu anderen Stipendiat*innen knüpfen und Vertreter*innen deutscher Unternehmen und Institutionen kennenlernen können. Was haben Sie diesbezüglich geplant?
Ja, auf die zweiwöchige Studienreise bin ich auch schon sehr gespannt, aber Informationen habe ich leider noch nicht.
Im Juli werden alle Stipendiat*innen den Bundeskanzler treffen, da dieses Stipendium den Namen „Bundeskanzler-Stipendium“ trägt. Was in den letzten Monaten an plötzlichen politischen Verschiebungen nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA und weltweit passiert ist, hat sicherlich auch dieses Programm beeinflusst. Als die jetzigen Stipendiat*innen ausgewählt wurden, dachten alle, dass sie Olaf Scholz treffen würden aber jetzt wird es Friedrich Merz sein, den sie treffen.
Hanwen Zhang ist Lehrbeauftragter am Institut für Medienwissenschaften an der HBK Braunschweig. Er gehörte zu den Braunschweig Projects-Stipendiat*innen des Jahrgangs 2023/24. Zhang hat sein Studium an der School of Visual Arts ist in New York absolviert und anschließend an verschiedenen Artist-in-Residencies Programmen teilgenommen. Er nutzt als künstlerische Ausdrucksform das Dokumentarische, als erzählendes wie auch selbstreflexives Mittel.
Das Interview führte Brigitte Kosch, Pressestelle der HBK Braunschweig